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20 Jan

Der Mythos GOAT

Veröffentlicht von Benjamin Mell

Ein kleines Rätsel für euch, ihr Rabauken. Was hat zwei Daumen, produziert, produziert und produziert? Richtig Benjamin Mell. Als Preis, gibt es einen Artikel vom allseits beliebten Fachmann! Viel Spaß beim Lesen.

 

 

 

 

 

                                    

Wie in vielen anderen Sportarten gibt es auch im Basketball immer wieder die Diskussion, wer denn nun der Beste der Besten ist. Jeder Sport braucht eine Leitfigur, an denen sich alle anderen orientieren können - oder sollte ich besser sagen - müssen? Im Basketball ist diese Leitfigur Michael Jeffrey Jordan. Der Mann, der die Chicago Bulls zu ihren einzigen sechs Titeln geführt hat. Der Mann, der seine Nummer 23 legendär gemacht hat. Seine Erfolge sind über jeden Zweifel erhaben, seine Statistiken gigantisch. Aber Basketball ist viel zu komplex, als dass man einen wirklichen GOAT auserwählen könnte. Es kann, oder besser gesagt, darf in diesem Sport keinen Besten der Besten geben. Die NBA verändert sich stätig und das Spiel mit ihr. Es wird schneller, guardlastiger, die Regeln strenger und die Spieler besser. Doch die, die Jordan in seiner Glanzzeit miterleben durften, halten mit allen Mitteln daran fest, dass „der Goat“ unantastbar ist und auch bleibt. Damit stecken sie natürlich viele Fans an und ihre Meinung bleibt bestehen. Ich persönlich nehme gerne die 10 Gebote als Vergleich zur Unantastbarkeit Jordans, bei den „Jordan Jüngern“.

 

1      Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

2      Du sollst den Namen des Herren nicht missbrauchen.

3      Du sollst den Feiertag heiligen.

4      Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.

5      Du sollst nicht töten.

6      Du sollst nicht ehebrechen.

7      Du sollst nicht stehlen.

8      Du sollst nicht falsch Zeugnis reden.

9      Du sollst nicht begehren des Nächsten Weib.

10   Du sollst nicht begehren des nächsten Hab und Gut.

 

Das erste Gebot steht für die Unantastbarkeit Jordans. Das zweite Gebot steht für seine Unvergleichlichkeit. Das dritte Gebot steht für seine Championships, die in der Allgemeinheit über allen anderen Championships stehen. Das vierte Gebot könnte für seinen Meistercoach (Phil Jackson - 11 Championships) stehen, der leider viel zu oft außer Acht gelassen wird. Das fünfte Gebot sagt Dir, dass du Jordan nicht in Frage stellen darfst. Das sechste Gebot steht für die Treue zu Jordan, die auch Du beachten und befolgen solltest. Das siebte Gebot besagt, dass du sein Game nicht kopieren kannst, oder sollst. Kobe Bryant wird da ja gerne immer wieder ins Spiel gebracht. Das achte Gebot steht dafür, dass Jordans Jünger keine Argumente gegen ihren Gott akzeptieren werden und Du es auch nicht wagen solltest, etwas gegen ihn zu sagen. Das neunte Gebot besagt, dass Du Jordans Erfolg nicht begehren sollst. Das zehnte Gebot besagt, dass Du seine Statistiken nicht begehren solltest. Viele Fans vergessen dabei aber, dass Jordan nicht der einzige Spieler ist, der gigantische Erfolge vorweisen kann. Auch von den Statistiken können viele Spieler dem vermeintlichen GOAT das Wasser reichen, oder ihn sogar übertrumpfen. Nach seinen Titeln disqualifiziert sich Jordan eigentlich selbst, da er fünf (!) Titel weniger aufweisen kann, als Bill Russell. Dieser hat mit seinen Boston Celtics von 1957 – 1969, surreale elf Titel nach Boston geholt. Jordan im Gegenzug „nur“ sechs. Man könnte natürlich sagen, dass Bill Russell die Gegner fehlten, aber auch den Chicago Bulls waren in den 90ern kaum ein Team gewachsen. Das Argument der Statistiken fällt in den jeweiligen Diskussionen immer wieder. Natürlich war Jordan eine der dominantesten Figuren, die je einen Basketballcourt betreten hat. Aber, gab es da nicht noch einige, die dominanter waren als er? Mir fallen auf Anhieb drei Legenden ein, die Jordan in den Statistikbögen alt aussehen lassen. Wilt Chamberlain, Kareem Abdul-Jabbar und Oscar Robertson können es alle mit „his Airness“ aufnehmen. Wilt Chamberlain war der einzige Spieler, in der Geschichte der NBA, der in einem Spiel die 100 Punkte Marke knacken konnte (am 2. März 1966 gegen die New York Knicks erzielte Chamberlain genau 100 Punkte). Kein Spieler, bis auf Kobe Bryant (81 Punkte), kam je wieder über die 75 Punkte Marke hinaus. Chamberlain schaffte am 24. November 1960 einen weiteren, bis heute bestehenden Rekord, mit unglaublichen 55 Rebounds in einem Spiel. Seine statistisch beste Saison spielte Wilt wohl 1961-62, in der er 50.5 Punkte pro Spiel auflegte (bei einer Quote von über 50%) und diese mit 24.3 Rebounds garnierte. Das ist die individuell vielleicht beeindruckenste Scoringausbeute, die jemals auf das Parkett gebracht wurde. Chamberlain war seinen Gegenspielern körperlich so überlegen, dass er sie nach Belieben dominieren konnte. Statistisch kann da kein Spieler -bis heute- mithalten. Selbst Oscar Robertson kann ihm da nicht den Rang ablaufen und dieser schaffte es als einziger Spieler in der Geschichte ein Triple-Double über eine komplette Saison in die Statistikbücher zu befördern (1961 – 30.8 Punkte, 12,5 Rebounds, 11,4 Assists pro Spiel). Dies zeigt einem also, dass es nicht an den Erfolgen, oder Statistiken liegen kann, dass Jordan in der Öffentlichkeit immer wieder als GOAT eingestuft wird.

Was sondert Jordan also von diesen Spielern ab? Warum wird er in der Öffentlichkeit über solche Ausnahmespieler gestellt? Ein Grund dafür dürfte sein, dass es kein Spieler geschafft hat, Basketball global so erfolgreich zu machen. Jeder kannte/kennt Jordan. Die Chicago Bulls und die NBA wurden durch ihn eine weltweite Marke. Der Sportartikelhersteller Nike machte mit Jordan Millionen und er öffnete damit Spielern die Tür zu weiteren Merchandise Möglichkeiten, neben dem Sport. Spieler wie Shaquille O’Neal, Kevin Garnett, Kobe Bryant, Tracy McGrady, Tim Duncan, oder LeBron James bekamen die Chance ihre eigenen Signature Series bei großen Firmen wie Nike oder Adidas herstellen zu lassen. Aber nicht nur das macht Jordan zu so einem Phänomen, sein Wille, seine Arbeitseinstellung und seine Leistungen in den wichtigen Spielen/Momenten machen in fast einzigartig. Der einzige Spieler, dem die gleichen Dinge nachgesagt werden ist Kobe Bryant. Die Vergleiche der beiden Ausnahmespieler geht also über den Court hinaus bis zur mentalen Einstellung.

Larry Bird, 20. April 1986: "I didn't think anyone was capable of doing what Michael has done to us," marveled Celtics ace Larry Bird. "He is the most exciting, awesome player in the game today. I think it's just God disguised as Michael Jordan."

 

Diese Aussage von Larry Bird entstand nach dem zweiten Spiel, der ersten Playoff Runde 1986, seiner Boston Celtics gegen Michael Jordan und seinen jungen Bulls. Jordan spielte wie ein Besessener und zwang den späteren Champion aus Boston in eine zweifache Verlängerung. Dabei stellte Jordan mit 63 Punkten einen bis heute bestehenden Playoffrekord auf. Die Bulls verloren dennoch mit 135-131 und konnten keinen Sieg gegen die übermächtigen Celtics erringen. Aber dieses Beispiel zeigt einmal mehr, was Jordans Wille ausmachte. Keine Hürde war zu hoch, keine Aufgabe zu schwer und selbst die legendären Celtics um Larry Bird, nicht stark genug um seinen Willen zu brechen. Dennoch standen ihm erst ab den 90ern die passenden Mittel zur Verfügung um die Championship nach Chi-Town zu holen. Das zeigt einem aber wieder, dass Basketball ein Teamsport ist und kein Spieler auf Dauer ohne gute Mitspieler gewinnen kann. Wenn man nun also alle wichtigen Kriterien zusammen in einen Topf schmeißt, müsste eigentlich der GOAT entstehen. Dies ist aber so nicht möglich, da es genug Spieler gibt, die genau wie Jordan die Kriterien erfüllen.

Magic Johnson, Kobe Bryant, Larry Bird, Tim Duncan, Kareem Abdul-Jabbar, Bill Russell, Wilt Chamberlain, Hakeem Olajuwon, sie Alle erfüllen die gleichen Kriterien und könnten genauso gut als GOAT gesehen werden. Meiner Meinung nach ist es aber gar nicht nötig einen Besten der Besten zu finden, da die Leistungsdichte unter den Besten 20 Spielern aller Zeiten so eng beieinander liegt, dass oft persönliche Meinungen entscheiden, wer nun der beste war, oder ist. Dazu kommt, dass man immer die Umstände betrachten muss. Olajuwon, hätte mit einem besseren Team an seiner Seite vielleicht nicht nur zwei Titel geholt, sondern drei oder vier. Welche Positionen haben die Spieler gespielt, kann man Dirk Nowitzki und Gary Payton überhaupt effektiv miteinander vergleichen? Wie lange spielte der Spieler und wie steht dies in Relation zu seiner Dominanz? Verhielt es sich wie bei Shaquille O’Neal, der seinen Zenit bei zig verschiedenen Teams verbracht hat und einfach nicht aufhören wollte. Dominierte der Spieler noch im späten Alter (Kareem, Kobe, Duncan), oder hörte auf dem höchsten Niveau auf (Jordan). Wie war ihre Teaminterne Rolle? Sollten sie der Scorer des Teams sein (George Gervin), der Facilitator (Magic), oder doch der Defensive Anker (Ben Wallace).

Fazit:

Selbst wenn man einen Spieler findet, bei dem einfach alles passt  (wie zB. bei Jordan), sollte man sich drei Mal überlegen, ob man ihn wirklich als Besten aller Zeiten bezeichnen will. Andere Fans sehen da vielleicht einen anderen Spieler, der es auch verdient hätte. So verrennt man sich schnell in eine Diskussion die niemals endet und die man nicht für sich entscheiden kann. Es gab einfach zu viele Spieler, die es sich verdient hätten als bester aller Zeiten bezeichnet werden zu dürfen. Und es werden nicht weniger. Jedes Jahr werden neue Spieler in die Liga gespült, die vielleicht irgendwann  in dieser Diskussion auftauchen könnten. Wer will sich nun also das Recht rausnehmen den GOAT zu wählen? Die Medien, Du, oder Ich?

 

 

 

 

Der Mythos GOAT
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